Notiz Nr46: Aufzeichnungen Eines Krokodils von Qiu Miaojin

Klappentext:

Die Studentin Lazi liebt Frauen. Das ist unerhört und verboten im Taiwan der 1980er-Jahre. Doch an der Elite-Uni in Taipeh, wo sich Lazi in die zwei Jahre ältere Shuiling verliebt, ist eine queere, avantgardistische Szene erwacht. Tief berührend und kompromisslos ehrlich schreibt Qiu Miaojin vom Kampf um Liebe und Freiheit, vom Versuch auszubrechen und von Außenseitertum, Leidenschaft und Begehren. Erst postum verhalf dieser Roman der taiwanesischen Schriftstellerin zu großer Berühmtheit. 


Diese Rezension zu schreiben wird nicht einfach, da will ich ganz ehrlich sein. Ich bin mit Hoher Erwartung an dieses Buch herangegangen und habe mir im Laufe des Lesens einige reflektierende Fragen gestellt. Ich glaube es ist am einfachsten, wenn ich die Rezension tatsächlich ganz klassisch in verschiedene Kategorien einteile:

Fangen wir mit dem Schreibstiel an. Obwohl das Buch nur schlappe 305 Seiten hat, habe ich verhältnismäßig lange daran gesessen, da der Schreibstiel zwar einfach, aber nicht dadurch automatisch flüssig zu lesen war. Ich bin häufig über die Zeilen gestolpert und musste ganz langsam und bedächtig lesen, da sich mir sonst der Sinn des Satzes nicht erschließen wollte. Hinzu kommen banale Floskeln und Ausdrücke, die das Buch zwar nahbarer und "ehrlicher" machen, dadurch aber auch das Leseerlebnis etwas holprig gestalten.

Der schon schwerere Teil ist die Geschichte selber! Die Thematik dreht sich, wie dem Klappentext zu entnehmen ist, um Homosexualität in einem Land und zu einer Zeit, wo man dafür geahndet werden konnte. Dadurch kommen auch essentielle Themen wie schwere Depressionen, Selbstverletzung, schwierige zwischenmenschliche Beziehungen und Identitätskrisen. Alles in allem erstmal ein spannendes Päckchen mit viel versprechendem Potential. Leider gab es einige Faktoren, die neben der Technischen Seite auch hier das Leseerlebnis äußert herausfordernd gestaltet haben. Zum einen gibt es keine ersichtliche Timeline, nur gelegentliche Anmerkungen über die Jahreszeit oder Wetter. An sich wäre dies nicht weiter kritisch, nur springt die Story regelmäßig in der Zeit herum und es ist schwer zu erkennen wo in der Timeline man sich gerade befindet. 
Ein weiterer Aspekt mit dem ich es schwer hatte waren die teilweise sehr vulgären Anekdoten und Details. Während der Schreibstiel der Autorin durchaus viel mit Details und Randinformationen arbeitet, gibt es einen großen Anteil an Details die aus den Tiefen der Absurdität kommen und auf mich eher abstoßend gewirkt haben, denn faszinierend oder "realitätsnah". Vulgäre Sprache ist hierbei auch nicht zwingend das Problem, sondern eher die dreckige und obszöne Anwendung. Dazu spielen auch Narrativen im Ramen Vergewaltigung, Misshandlung und Gewalt, die eine Normalität widerspiegeln, die fragwürdig finde.

Der Aspekt der es mir endgültig erschwert hat eine Verbindung zum Buch aufzubauen waren die Charaktere selber. Die Protagonistin ist in einer Spirale aus Selbstmitleid und Egozentrik gefangen, wodurch ihre instabilen Beziehungen größtenteils selbstverschuldet sind, mit dem kleinen Detail, dass sie sich im Endeffekt aber selber in die Opferrolle setzt. Und dieses Verhalten gilt für so ziemlich alle Charaktere. Sich erst unmöglich verhalten, dann sich über die entsprechende und mehr als angemessene Reaktion wundern und anschließend das Narrativ in eine Richtung drehen, dass Homosexuell zu sein zu keiner glücklichen Liebe führen kann. Weiß ich jetzt nicht so ganz was ich davon halten soll... 

Zuma Summarum hat es zu spannenden Gedanken angeregt und mit wenn auch fraglichen Mitteln die überspitze und abstruse Realität der Damaligen Zeit für queere Menschen vermittelt. 


2,5/5


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