Notiz Nr45: SNAPE - Die inoffizielle Biografie von Lorrie Kim

Klappentext:
Zaubertrankmeister, Hauslehrer von Slytherin und Doppelagent im Kampf gegen Voldemort - kaum eine Figur aus dem Harry-Potter-Universum ist so schwer zu durchschauen wie Severus Snape. Einst selbst Zauberschüler fällt er als Lehrer in Hogwarts durch seine Abneigung gegenüber Harry auf. Warum scheint er den Jungen so zu verabscheuen, den zu beschützen er sich verpflichtet hat? Wo liegt seine wahre Loyalität? Kann ein ehemaliger Todesser die Seite wechseln?


Als junger Teenager habe ich die "Harry Potter" Bücher und Filme mit Begeisterung verschlungen und habe mich entsprechend sehr darauf gefreut endlich die inoffizielle Biografie von Snape zu lesen, da ich schon immer das Gefühl hatte, dass er ein zutiefst missverstandener Charakter ist.

Im Verlaufe des Lesens bin ich vielen unterschiedlichen Gefühlen gegenüber des Buches begegnet. Beim ersten Kapitel war ich zunächst etwas enttäuscht und auch ein bisschen geschockt was den Schreibstiel angeht. Ich hatte eher das Gefühl einen schlecht geschriebenen Artikel aus einer Schülerzeitung zu lesen denn ein Buch einer Professionellen Autorin; die Wortwahl, Formulierungen und Textstruktur entsprachen einfach nicht dem Niveau, welches man von guten Autoren gewohnt war. Glücklicherweise pendelte sich dieses Problem über die Kapitelhinweg ein. Was jedoch geblieben ist, ist dass die Autorin sich viel wiederholt und viel Text dafür aufbringt vermeintlich tiefgründige Fragen zu stellen und sich dann noch mal zu wiederholen. 

Wenn ich mir den Inhalt des Buches anschaue, habe ich auch dort viele gemischte Gefühle. Ich mochte Kim's Ansatz, dass sie wirklich auf jedes Buch und alle Abschnitte der Geschichte eingegangen ist. Dabei hat sie teilweise Szenen aufgedeckt, wo man sich gar nicht so bewusst war, dass Snape da seine Finger im Spiel hatte oder er im übertragenen Sinne eine Rolle spielte. Diese "Abschnitt-Struktur" bietet dem Leser auch einen sehr angenehmen Rhythmus und viele Möglichkeiten, einen guten Schluss zu finden, ohne dass man mitten im Geschehen hängen bleibt. 
Auch wenn einiges gewiss Eigeninterpretation und nicht belegt ist, so hat Kim mir durchaus an einigen Stellen die Augen geöffnet und neue Perspektiven unterbreitet. Snape ist definitiv ein Komplexer Charakter, der mehr Aufmerksamkeit verdient hat. 

Wo ich wiederum etwas mit mir zu kämpfen hatte war, dass sie explizit Sexualität (beziehend auf Spannung und Appeal) in einer Häufigkeit erwähnt hat, die mir nicht schlüssig ist. Bei ein-zwei Stellen habe ich ihren Ansatz nachvollziehen können. An einigen Stellen hat sie aber auch sexuelle Spannung oder dergleichen eingebracht, wo es in meinen Augen unangemessen oder gezwungen vorkam. Bei einem Blick auf die Autorin erfährt man, dass sie Popkultur- und Literaturkritikerin ist, mit speziellem Augenmerk auf intersektionale Feminismus und LGBTQAI+ Rechte. Mein Gefühl sagt mir, dass sie diese Seite ihrer Arbeit und in diesem Buch unterzubringen versuchte, was aber leider meiner Meinung fehl am Platz war. 

Alles in allem ein interessantes und leicht zu lesendes Buch. Würde ich es noch mal lesen oder anderen empfehlen es sich unbedingt zu zulegen? Wahrscheinlich nicht. Habe ich das Gefühl meine Zeit verschwendet zu haben? Nein! Denn stilistische Präferenzen beiseite gelegt, ist der Inhalt ein interessanter Augenöffner. 


3,5/5


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